Kategorie: Menschen

1 2 Nächste Letzte
Besuch aus Irland
eingetragen am Sonntag, den 11. November 2007 um 22:56 Uhr

Nachdem ich lange Zeit im Ausland verbracht habe, bekam ich nun die Quittung dafür in Person eines Gastes von der grünen Insel. Der Besuch war für Volker und mich extra mit dem Flugzeug gekommen, um mit uns ein Herbstwochenende in Bonn und Köln zu verbringen. Unser Besucher hört auf den Namen Tony. Er ist Redemptorist, 29 Jahre alt und ist wohnhaft in Scala in Cork.

Freitags holten wir ihn gemeinsam vom Bahnhof in Siegburg ab, nachdem er das hessische Bornheim in Frankfurt mittags verlassen hatte. Dort konnten wir uns gleich bei ihm für das irische Wetter bedanken, das er uns als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Trotz des Nebels und des Regens schafften wir es sicher im Feierabendverkehr in das einzig wahre, rheinische Bornheim, wo schon Volkers Mutter mit dem Klassiker unter den rheinischen Spezialitäten – Mettbrötchen – auf uns wartete. Tony war doch reichlich überrascht, dass wir „raw meat“ einfach so essen, ohne davon krank zu werden. Nach dieser Stärkung ging es dann ab nach Bonn aufs Eis. Nach einigen Runden Schlittschuh laufen, beschlossen wir, dass wir am Glühweinstand wohl eine bessere Figur machten, außerdem wollten wir uns ja auf das anschließende Bonner Nachtleben vorbereiten.

Am nächsten Tag hieß es dann Shopping & Sightseeing in Köln. Man war das eine Lauferei! Kölner Dom hoch, Kölner Dom runter, jede noch so kleine Nebengasse durchlaufen, alle Märkte abgeklappert und schließlich den Dom dann auch noch von innen betrachtet (nicht nur von oben). Nachdem wir Köln abgegrast hatten, fuhren wir nach Bonn auf Sightseeing Tour und zogen uns anschließend total erschöpft eine Pizza und DVD rein. „Erschöpfung“ war Volkers Stichwort und so bekam er gerade einmal die erste halbe Stunde von „The good shepherd“ mit, aber auch ich hätte mal besser geschlafen, denn den roten Faden hatte ich auch schnell verloren.

Sonntag fuhren wir dann zur Redemptoristenkirche nach Bonn. Wir feierten die Heilige Messe und machten mit Pater Langer eine Hausführung in Schule und Kloster mit anschließendem Mittagessen im Kloster. Vom Kloster aus ging es für Volker auf den Drachenfels. Ich ging währenddessen zu den Telekom Baskets, die (natürlich) gewannen. Vom Drachenfels konnte sich Tony dann einen guten Eindruck von der Schönheit unserer Region machen. Er konnte das herbstliche Rheintal, das Siebengebirge und Bonn von oben betrachten und trotz durchwachsenen Wetters konnte man bis nach Wachtberg sehen. Und auch eine Zahnradbahn war unserem Iren eher unbekannt.

Anschließend trafen wir uns in Bonn alle wieder und dann stieß auch noch Vera, die für ein Jahr Aupair in Cork war, zu uns für den Abend. Der Abend war jedoch nicht sehr lange, weil alle am nächsten Morgen früh raus mussten. So musste ich den Zug von Bonn nach Krefeld nehmen, um am nächsten Morgen pünktlich um 7 Uhr bei Siemens zu beginnen. Leider gehen ja bekanntlich die schönsten Momente am schnellsten vorbei.


» Zur Bildergalerie: Besuch aus Irland

Hätte, könnte, wollte. Was wäre, wenn ...
eingetragen am Montag, den 21. Mai 2007 um 11:57 Uhr

Es lebe der Konjunktiv! Und genau in diesem Sinne kann ich dann ja mal anfangen, ein wenig zu schwärmen.
Wen kennen wir nicht alles aus der Karibik: Denrick, Alistair, Lemrick und Renwrick aus Grenada, Zelka, Sr. Margeret, Nyron und Neill aus St. Lucia, Peter, Br. Jeffrey und Elton aus Dominica, Eric aus Trinidad und wahrscheinlich viele mehr, dich ich jetzt vergessen habe. Und jeder, wirklich jeder, schwärmt uns vor, wie toll doch die Karibik ist, vor allem im Vergleich zu den USA. Hier nur mal ein paar Beispiele. Relaxte Polizisten, Alkohol von Säuglingsjahren an (zumindest möglich per Gesetz), weiße Strände, warmes Meer, warmes, aber nicht zu heißes Wetter. Zudem Inseln, die man in einer halben Stunde durchfahren kann, oder solche, die man in einer Stunde umlaufen kann. Und wer mir das mit der Landschaft nicht glaubt, ich habe den VIDEOBEWEIS (!!!): "Fluch der Karibik 2" zeigt hauptsächlich Landschaft auf Dominica. Sollte ich tatsächlich mal im Lotto gewinnen (was momentan schwierig sein wird, da ich nicht spiele) und der Gewinn tatsächlich für meine frühzeitige Pensionierung reicht ... ihr wisst, wo ihr mich findet.
Keine Insel hat mehr als 100.000 Einwohner und irgendwo ist immer einer Party. Womit ich auch schon bei der Musik und beim Tanz wäre. Die Musik ist der Hammer: Viel Rhythmus und viel Gesang, den wahrscheinlich noch nicht einmal die Karibianer verstehen. Dazu wird dann getanzt, wobei ... tanzen kann man das nicht nennen ... eher hüpfen ... oder noch besser "menschliches Domino". Man muss nämlich schwer aufpassen, dass man beim Tanzen nicht aus Versehen von einem hüpfenden Karibianer umgerempelt wird und damit dann eine Kettenreaktion auslöst. Moment, woher weiß ich das eigentlich? Ach ja, von Denricks Hochzeit.
Samstag nachmittag ca. 3:30 Uhr: Denrick, Ex-Sarnelli House-Volunteer, verlässt mit in die Luft gestreckter Faust und frisch angetrauter Lori im anderen Arm die Kirche. Ein Paar, das unterschiedlicher nicht sein könnte, aber trotzdem super zusammen passt.
Wie auch immer, die anschließende Hochzeitsfeier war sehr lustig und hat eine Menge Spaß, Essen und vor allem auch Getränke mit sich gebracht. Ich muss nur sagen, dass die Barkeeper keine sonderlich große Hilfe bei der Auswahl des richtigen Getränks waren. Es mag zwar höflich gemeint sein, aber auch die Frage "Was können Sie denn empfehlen?" erwarte ich nun mal keine Antwort im Sinne von "Nix. Was auch immer Sie wünschen".
Wir haben jedenfalls alle schwer getanzt, ob wir es konnten oder nicht, und Markus und ich mussten uns zum Teil schwer anstrengen, irgendwelche karibischen oder philadelphianischen Tänze zu tanzen.
Zusammenfassung: Einwohner der Karibik sind chaotisch, spontan und herrlich unorganisiert. Außerdem ertragen sie keine Hitze und können nicht glauben, dass man ihren eigenen 69%igen Rum auch pur trinken kann. Ich hab es ihnen aber bewiesen.


» Zur Bildergalerie: Denricks Hochzeit

Turbulente Wochen im Sarnelli House
eingetragen am Dienstag, den 6. März 2007 um 23:06 Uhr

150 Newsletter, 15 College-Studenten, 12(+1) Highschool-Schüler, 10 U-Bahn-Linien, 4 Autos, 4 Mapquest-Ausdrucke, 4 verschiedene Heizungsunternehmen, 3 Priester, 2 Buslinien, 2 asiatische Kellnerinnen, 2 Minuten Basketball, Markus, Thorsten, Sonja, eine Dame aus Bronze, ich und nur 1 Handy.

Es ist immernoch saukalt in Philadelphia. Heute morgen waren es -8°C Außentemperatur und die durchschnittliche Innentemperatur liegt auch nur knapp über dem Gefrierpunkt. Wenn uns hier das Blut in den Adern gefriert, dann mit Sicherheit nicht aus Angst, sondern schlicht und ergreifend wegen der Kälte. Aber das nur so nebenbei, mit den letzten Wochen hat das nix zu tun.

Vor zwei Wochen hatten wir Besuch von Sonja, einer Freiwilligen von letztem Jahr und einer Jugendgruppe aus Bethpage auf
Long Island in New York unter der Leitung von Danielle und Father Paul, dem Direktor des Priesterseminares der Redemptoristen in Whitestone (NY) und gutem Freund von Kevin. In der gleichen Woche kam auch Markus' Bruder Thorsten zu Besuch. Und nachdem wir dann freitags Sonja, samstags die Lifeteengruppe verabschiedetet haben und das Wochenende mehr oder weniger unspektakulär verbrachten, ergab sich für das nächste Wochenende folgender Schlachtplan:
Thorsten ist ja nicht nur zum Arbeiten und Besuchen hier, sondern möchte ja auch mal Tourist spielen, und da Philly ja direkt zwischen Amerikas Metropolen NY und DC liegt, standen diese auch auf dem Besichtigungsplan. Die beiden Schori-Brüder machten sich also Freitagmorgen mittels Chinabus auf nach DC, schauten sich kurz um und fuhren abends wieder mit dem Chinabus nach Whitestone. Ich hingegen habe den Freitag damit verbracht, 150 Newsletter zu falten, zu tackern und diese dann mit Kevin bei unserem Lieblingschinesen (Ho Sai Gai) zu adressieren, mit Briefmarken zu versehen und abends dann mit zwei Temple-Studenten auf Outreach zu gehen.
Samstag morgen tourten Markus und Thorsten quer durch Manhatten, während ich mit den saubersten unserer Vans und 6 Temple-Studenten geschnappt habe und dann in einer Kolonne von vier Wagen unter der Leitung von Father Shaun in die Bronx gefahren bin. Eigentlich sollte ich sie da nur für ein Retreat absetzen, bin aber dann doch noch geblieben, um mit ihnen zu einem College-Basketballspiel zu gehen. Leider hatte Father Shaun falsche Infos zur Anpfiffszeit und wir haben auch einen Bus verpasst, so dass wir noch rechtzeitig für die letzten beiden Minuten ankamen. Temple hat (natürlich) verloren. Später habe ich mich dann mit Markus und Thorsten am Times Square getroffen, was an sich ja schon eine Meisterleistung ist; man bedenke, wir hatten nur ein Handy.
Sonntag war Freiheitsstatue geplant und reserviert und nachdem die Fähre uns vier Stunden später wieder auf dem Festland rausgelassen hat, waren unsere Finger schon wieder tot vor lauter Wind und Kälte. Da jetzt nichts mehr anstand, was ich nicht ohnehin schon gesehen hatte, habe ich mich zurück nach Whitestone gemacht, während Markus und Thorsten shoppen gegangen sind. Von Whitestone habe ich mich dann nach Bethpage aufgemacht und "meine" Lifeteengruppe (es waren alle da, bis auf Trish) in deren Jugendmesse besucht.
Tja, und Montagmorgen ging es dann wieder zurück an die Arbeit. Für alle, die mir nicht folgen konnten, ich habe euch mal eine Zeichnung gemacht.


» Zur Bildergalerie: New York (3)

Der P&P-Nachtrag
eingetragen am Mittwoch, den 31. Januar 2007 um 04:57 Uhr


Pinkeln und Polizei
eingetragen am Sonntag, den 28. Januar 2007 um 06:36 Uhr

Father Kevin ist nun 50 Jahre alt, das Sarnelli House existiert seit knapp zehn Jahren und Essen, Getränke und Decken werden Freitag abends seit ungefähr acht Jahren herumgefahren und ausgeteilt, aber folgendes ist wohl noch keinem von uns passiert.
Man kennt das ja auch so Filmen wie
L.A. Crash oder Bad Boys und sogar das US-amerikanische Time Magazine schreibt darüber. Auf amerikanischen Straßen wimmelt es nur so von aggressiven und gestressten Polizisten. Leider mussten wir letzten Freitag erleben, dass das (zumindest zum Teil) tatsächlich der Wahrheit entspricht.
Seit Mittwoch hatten wir eine Gruppe Highschool-Schüler aus Maryland zu Gast, mit denen wir dann Freitag abend auf Street Outreach gegangen sind. Kevin, Markus und ein paar Schüler in unserem Van voran, die Lehrer, meine Wenigkeit und der Rest im Gruppenvan hinterher. An unserem zweiten Stopp, einer U-Bahn-Station in einer schlecht beleuchteten, heruntergekommenen Straße in Kensington, musste Father Kevin mal kurz austreten und ist daher auf ein anliegendes dunkles Grundstück gegangen, auf das keine Fenster zeigen und in dem man von der Straße aus nicht gesehen werden kann. Noch im Van sitzend und das Vorbereiten und Austeilen der Sandwiches überwachend sah ich Kevin dort hingehen und dachte zuerst, er hätte jemanden dort liegen sehen und wolle ihn nur auf uns aufmerksam machen. Eine knappe Minute später schaue ich wieder da hin und sehe nur noch wie zwei Polizisten Kevin mit ziemlich brutaler Gewalt gegen ihr Auto schmissen und anfingen auf ihn einzureden. Außer mir hat es noch der Lehrer der Gruppe, der neben mir auf dem Fahrersitz saß, gesehen, aber sonst hat es überhaupt keiner wahrgenommen. Mit einem lauten "Wow, is this Kevin???" bin ich also raus aus dem Van um mich beim Markus zu vergewissern, dass es wirklich Kevin ist, der dort am Polizeiauto steht. Nach elend langen fünf Minuten haben die Cops Kevin dann gehen lassen, natürlich nicht ohne ihn vorher noch mit "DU bist ein katholischer Priester?" und "Du ekelst mich an" zu beleidigen.
Pech nur, dass der Kevin die Nummer des Polizeiautos aufgeschrieben hat, Anwälte in Bekannten- und Verwandtenkreis hat, mit Paul Giordano einen einflussreichen Mann in Philly kennt und außerdem noch ehemalige Polizisten und den Chef der zuständigen Polizeistation kennt. Mal sehen, was das noch für ein Nachspiel haben wird.

Zeichen der Geschmacksverkalkung
eingetragen am Dienstag, den 28. November 2006 um 23:14 Uhr


Sarnelli House
eingetragen am Samstag, den 14. Oktober 2006 um 11:51 Uhr


Italien market ...
eingetragen am Freitag, den 29. September 2006 um 19:48 Uhr


Father Bruce
eingetragen am Freitag, den 29. September 2006 um 02:42 Uhr


First Week
eingetragen am Mittwoch, den 13. September 2006 um 07:58 Uhr

So, meine erste Woche ist abgeschlossen. Über meinen Ankunftstag hab ich ja schon etwas erzählt. Jetzt erzähl ich etwas über den Rest der Woche: Donnerstag war also das sogenannte "Big Meal". Morgens sind wir auf den Markt gefahren und danach zum Supermarkt. Wir haben so viele Leute kennen gelernt, ich kann die gar nicht alle aufzählen, und ich werde auch für die nächsten Tage nur die wichtigsten erwähnen. Dann haben wir eigentlich den ganzen Tag gekocht. Es gab Roastbeef mit Bohnen, Reis, Bisquits und Pudding. Zum Essen kamen dann abends so zwischen 90 und 100 Personen, die wir versorgt haben.
Freitag war ein ruhiger Tag. Wir sind viel rumgekommen. Markus hat eine Impfung bekommen, wir haben weitere Redemptoristen (Father Bruce) und deren Kirche kennen gelernt und auch viele andere Leute wie z.B. Erin, die uns am folgenden Dienstag (sprich heute) geholfen hat. Nachmittags und abends sind wir durch die innere Stadt gegangen bzw. abends gefahren und haben ein bisschen von der Gegend kennen gelernt. Der Stadtteil Kensington, in dem das Sarnelli House ist, ist wie die Bonner Altstadt. Nahezu keine Straße kann in zwei Richtungen befahren werden.
Samstag und Sonntag waren auch zwei ruhige Tage. So langsam haben wir uns eingelebt. Samstag waren wir noch mal auf eigene Faust in der Innenstadt und Sonntags waren wir in einer afro-amerikanischen Messe, aber sonst war da nicht viel mehr los. Fazit: Amerikanische Messe sind deutlich lebhafter als deutsche. Da ist Interaktion mit dem Publikum angesagt. Da gibt es Solisten, die vorsingen, das Volk klatscht nach der Predigt; Personen, die zum ersten Mal dort sind, werden persönlich begrüßt; beim Friedensgruß schüttelt man der ganzen Kirche die Hand. Es ist sehr lustig und Father Kevin hat gesagt, nächste Woche wird es noch lebhafter, dann geht's in eine andere Gemeinde.
Montag gab es Mittagessen für die armen Menschen. Es war wieder schön zu sehen, wie gerne die Menschen unser Angebot annehmen, so sieht man wenigstens, dass wir nicht ins Leere arbeiten. Im Grunde gab es aber nicht viel zu tun, weil wir nur die Reste von Donnerstag zusammen gemischt haben und dann ausgeteilt haben. Normalerweise ist Montags nachmittags Zeit für die so genannten off-site ministries, d.h. Arbeit außerhalb des Sarnelli Houses, aber wir haben uns noch keine direkt ausgesucht, daher war es ein ruhiger Nachmittag.
Dienstag war da schon herausfordernder. Es war keine schwere Arbeit, aber man fühlt sich kaputt am Ende. Dienstags kommen die Leute zum Duschen. Jeder trägt sich in eine Liste ein, wird aufgerufen, bekommt ein Handtuch, frische Socken und 10 Minuten Zeit und so geht das dann. Eingetragen hatten sich so ca. 35 Mann. Geduscht haben aber wohl nur so 25, weil manchen einfach nicht geduldig genug waren oder 30 statt 10 Minuten haben wollten. Andere wiederum sind in die Dusche gegangen und sind ungeduscht wieder herausgekommen nach 2 Minuten, nur um an frische Socken ranzukommen. Es gibt gebildete Obdachlose, z.B. Ron oder Carl oder Harry Sims, aber einen Schaden haben die alle irgendwie. Aber sie sind nett, wirklich, es sei denn, sie haben zu viel getrunken. Dann können wir sie natürlich auch nicht in die Duschen lassen.
Nun ja, ich hoffe, ich konnte euch einen guten Überblick geben. What's next? We'll see!


» Zu den Bildergalerien: Philly, Zack

1 2 Nächste Letzte